Das Konzept des situierten Wissens ist aus der direkten Auseinandersetzung mit der amerikanischen feministischen Wissenschaftskritik hervorgegangen und bezieht sich auf die Actor-Netzwerk-Theorie, den Pragmatismus, aber auch auf die Biopolitik von Michel Foucault. Die in Frankreich entstandene historische Epistemologie zielt nicht auf die Begründung und Fundierung des Wissens, sondern auf den Ausweis von dessen Geschichtlichkeit und untersucht, wie Georges Canguilhem, Lehrer und Zeitgenosse u. a. von Michel Foucault betont, ein spezielles, regionales Wissensfeld. Die Aktualität von Canguilhems Denken leitet sich aus der von ihm erstmals gestellten Frage her, wie das Leben zum Objekt des Wissens wird und wie sich darin das Verhältnis von Leben, Wissenschaft und Technik gestaltet. Canguilhem versteht diese Frage ebenso wie die US-amerikanische Wissenschaftstheoretikerin Donna J.  Haraway als eine politische Frage und Epistemologie in bestimmter Weise als eine politische Praxis. Welche weiteren Verbindungen gibt es zwischen der regionalen Epistemologie und dem situierten Wissen? In der internationalen Tagung sollen beide Konzepte diskutiert werden, um zu einem besseren Verständnis der Unterschiede wie auch zu einer besseren Konturierung beizutragen.

 

Konzept und Organisation: Astrid Deuber-Mankowsky und Christoph Holzhey